Résumé: Das war „Die Hexe Babajaga“ 2015

Wie Verhext!

Ein „tierisches“ Märchen, fast ins Wasser gefallen!


Unbekannte Stücke aufzuführen, ist immer ein Wagnis. Unbekannte Stücke für Kinder aufzuführen, ein noch viel größeres. Unbekannte Stücke für Kinder im Sommer/Freilufttheater aufzuführen, kratzt an der Grenze zum Wahnsinn. Regisseurin Regina Sykora ging ein solches Wagnis ein und siegte.

Mit „Die Hexe Babajaga“ (im Original „Die verzauberten Brüder“) von Jewgeni Schwarz hat sie ein berührendes Märchen für die ganze Familie auf die Bühne gebracht: Die Geschichte vom Wunsch, erwachsen zu werden, ein Held voller Mut und Kraft zu sein und letztendlich in der Macht der Liebe Geborgenheit zu finden.

Die Hexe Babajaga hat Wassilissas älteste Söhne, die in Welt hinauszogen um Heldentaten zu vollbringen, in Bäume verzaubert. Doch sie rechnet nicht mit der Willenskraft, Entschlossenheit und Stärke der Mutter, die alle Wälder der Welt durchstreift um ihre Kinder zu finden. Babajaga verspricht Wassilissa ihre Söhne zurück zu verwandeln, wenn sie einige, schier unlösbare, Aufgaben erfüllt. Zum Glück stehen Wassilissa bald treue Helfer zur Seite. Der Bär Mischa, der Hund Scharik und der Kater Kotofej, denen Babajaga ebenfalls übel mitgespielt hat. Auch Wassilissas jüngster Sohn Iwanuschka hat sich heimlich auf die Suche nach seinen großen Brüdern begeben und irrt nun, laut pfeifend gegen seine Angst, im finsteren Wald umher. Doch im entscheidenden Moment kann der kleine Held seiner Mutter zur Hilfe kommen. In gemeinsamer Anstrengung werden alle unmöglichen Aufgaben gelöst bis die Hexe selbst gefangen ist: in ihrem eigenen Haus auf Hühnerbeinen.

Regie

Regina Sykora

Darsteller

Hexe Babajaga Helga Konwalinka
Bär Helmut Tschellnig
Mutter Eva Peschta
Iwanuschka Valerie Gouche
Fjodor Ana Maria Valero
Igor Oliver Klocke
Kater Kotofej Anita Berthold
Hund Scharik Steffi Schmid
Hühnerbeine Ernst Saplotnig, Bernd Sykora

Mäuse

Nora Braun
Sandro Cambruzzi
Antonia Hardi
Lisa Koller
Noah Larionows
Kira Usmani
Pia Usmani

Mitwirkende

Souffleuse Henriette Pettirsch
Ausstattung, Kostüme Traude Eibner
Maske Anna Katherina Küster
Musik Belinda Sykora, Jörg Mathera
Bühnenbau Peter Türkel
Fotos Oernest Jauck, Helga Daniel

Im Schatten des Sommernachtstraums

Nachdem das Abendstück bereits einen großen Teil des Ensembles des Theater Purkersdorf in Beschlag genommen hatte, stand Regina Sykora vor der großen Aufgabe das Kinderstück adäquat zu besetzen. Dennoch konnte sie auf „Altbewährtes“ zurückgreifen. So sah man zum Beispiel Eva Peschta, die bis dato als Statistin auf der Bühne glänzte, als Wasilissa in ihrer ersten großen Rolle. Eine Aufgabe, die sie dank konsequentem eigeninitiativem Stimm- und Sprechtraining bravourös meisterte. Ebenfalls in ihrer ersten großen Rolle konnte man Anita Berthold bestaunen, die sich als Kater Kotofej durch das Stück schnurrte und miaute. Mit Steffi Schmid, Valerie Gouche, Ana Valero und Oliver Klocke kam der hoffnungsvolle Nachwuchs erfolgreich zum Einsatz. Als besonderes Highlight stellte Regina Sykora für eine Szene eine „Mäusebrigade“ von sieben Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren, sogar mit ein wenig Text versehen, auf die Beine. Die Zukunft des Theater Purkersdorf scheint also gesichert.

Neben den Bühnenfrischlingen konnte Regina Sykora Routinier Helmut Tschellnig wieder für seine Paraderolle gewinnen. Denn wer, wenn nicht er, spielt den Bär? Hat er sich für diesen doch bereits 2010 beim Dschungelbuch in das nicht gerade sommerbühnentaugliche Bärenkostüm gezwängt. Und auch heuer hat es sich wieder bewahrheitet. Bei an die 30 Grad übersteht man einen Nachmittag im Bärenkostüm nur, wenn man bereits drei Wüstenmarathons hinter sich gebracht hat. Last but not least: Als Hexe Babajaga konnte Helga Konwalinka, seit Jahren bei der Wientalbühne und seit einiger Zeit auch beim Theater Purkersdorf aktiv, verpflichtet werden. Ob diese Auswahl in Zusammenhang mit ihrem ehemaligen Brotberuf als Lehrerin stand, wird auf immer und ewig Regina Sykoras Geheimnis bleiben. Eine überzeugende Leistung bot Helga Konwalinka allemal.

Das Wetter und andere Katastrophen

Man kann sich noch so gewissenhaft vorbereiten und intensiv proben, beim Sommertheater gibt es immer einen Risikofaktor – das Wetter. Und so mussten bereits in der ersten Woche nach einer erfolgreichen Premiere zwei weitere Vorstellungen wegen Regens abgesagt werden. Die Woche darauf zwei weitere Absagen: Eine wetterbedingt und – als ob das nicht genügen würde, hatte sich auch noch eine Darstellerin beim Sport verletzt. Umso erfreulicher, dass weder Ensemble noch Publikum aufgaben. Die letzten Vorstellungen der Hexe Babajaga waren zum Teil so gut besucht, dass die Sitzplätze aufgestockt werden mussten. Gleiches galt für eine Sondervorstellung für Schulklassen, welcher auch eine Gruppe von Bewohnern des Sozialzentrums Senecura Purkersdorf beiwohnten. Auch hier hatte der Wettergott ein Einsehen und bescherte sowohl Kindern als auch Senioren einen unvergesslichen Vormittag.

Es hat sich wieder bewahrheitet: Theater für Kinder zahlt sich aus. Die selbst hergestellten Kostüme, das Bühnenbild – inklusive Hühnerhaus mit lebendigen Hühnerbeinen – und die mitreissende Geschichte zauberten stets ein Lächeln auf die Gesichter des Publikums. Und spätestens nach dem Stück, wenn die Darsteller/innen von Kindern umringt Autogramme geben dürfen – selbst wenn sie altersbedingt noch nicht einmal schreiben können – weiß man: Kindertheater gehört in den Steinbruch!

Sondervorstellung

SeneCura Purkersdorf zu Gast

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